Kategorie: Werkzeugkasten moderner Macht

Instrumente moderner Macht wirken selten offen oder repressiv. Sie operieren subtil, langfristig und strukturell. Ihr Ziel ist nicht der unmittelbare Zwang, sondern die Formung von Wahrnehmung, Verhalten und Erwartungshorizonten.

Angst dient als emotionaler Beschleuniger. Sie verengt den Denkraum, erhöht Autoritätsakzeptanz und macht schnelle Entscheidungen wahrscheinlicher. Wer Angst kontrolliert, kontrolliert Prioritäten.

Nudging gestaltet Entscheidungsumgebungen so, dass bestimmtes Verhalten wahrscheinlicher wird, ohne formale Verbote. Macht liegt hier nicht im Befehl, sondern in der Architektur der Wahl.

Framing definiert, wie Themen interpretiert werden. Es entscheidet nicht über Fakten, sondern über Bedeutungen. Was als „Problem“, „Risiko“ oder „Normalität“ gilt, entsteht durch Frames.

Priming bereitet Entscheidungen unbewusst vor. Wiederholte Begriffe, Bilder oder Narrative aktivieren Denkmuster, bevor rationale Abwägung einsetzt.

Agenda Setting bestimmt, worüber überhaupt gesprochen wird. Nicht die Meinung wird direkt kontrolliert, sondern die Themenauswahl selbst.

Gaslighting destabilisiert Wahrnehmung und Selbstvertrauen. Abweichende Einschätzungen werden delegitimiert, bis nur noch die systemkonforme Sicht als rational gilt.

Algorithmische Steuerung verbindet all diese Instrumente technisch: Aufmerksamkeit, Emotion und Verhalten werden datenbasiert optimiert und verstärkt – oft unsichtbar für die Betroffenen.

Zusammen bilden diese Instrumente eine Machtform, die nicht verbietet, sondern Wahrscheinlichkeiten erzeugt. Moderne Macht zwingt nicht – sie arrangiert die Realität so, dass Widerstand unattraktiv, irrational oder unsichtbar wird.

  • Digitales Priming

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    Priming in Algorithmen und KI-Feeds Wie digitale Systeme Wahrnehmung, Emotion und Urteil vorbereiten 4 1. Grundprinzip: Was passiert beim algorithmischen Priming? In klassischen Experimenten ist Priming ein einzelner Reiz vor einer Entscheidung.In KI-Feeds ist Priming dauerhaft, adaptiv und personalisiert. Der Algorithmus entscheidet nicht nur, was du siehst, sondern: Der Feed ist kein neutraler Strom, sondern…

    Two young women walking through a futuristic AI feed corridor symbolizing algorithmic priming and cognitive influence by recommendation systems
  • Framing

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    Wie Medien durch Deutungsrahmen Wahrnehmung, Meinung und Macht steuern Framing gehört zu den unsichtbaren Grundkräften moderner Öffentlichkeit. Es entscheidet nicht darüber, ob Menschen informiert werden, sondern in welchem Bedeutungsrahmen Information erscheint. In einer mediatisierten Gesellschaft, in der Aufmerksamkeit knapp und Komplexität hoch ist, wirkt Framing wie ein kognitiver Filter: Es sortiert, vereinfacht, moralisiert – und…

    Junge Frau in dynamischer Bewegung vor schwebenden Schlagzeilen und Symbolen, die Framing, Medienmacht und Deutungsrahmen visualisieren
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