Vorhang auf.
Das Licht fällt kühl und unbarmherzig auf zwei junge Frauen, die auf einer Couch sitzen wie zwei Figuren, die ein Dichter auf die Bühne gezwungen hat, um das Publikum zur Erkenntnis zu zwingen. Man könnte meinen, es sei ein Werbedreh, doch es ist ein Lehrstück, und die Bühne ist die Welt. Sie sind 24, sie sind OnlyFans-Models, und sie tragen ihre Jugend wie ein Kostüm, das bald verrutscht, sobald die ökonomische Wahrheit an ihnen zerrt.

Die Erste, nennen wir sie Lara, sitzt mit jener Selbstverständlichkeit da, die entsteht, wenn man den eigenen Körper kennt wie ein Werkzeug der Überzeugung. Ihr Blick ist kühl, fast rechnerisch. Sie glaubt an die Reform. Sie glaubt an die Mechanik der Welt, an Zahnräder, die knirschen, wenn man sie nicht ölt.
Die Zweite, nennen wir sie Mia, lehnt sich zurück, als sei sie der Beweis, dass Schönheit und Skepsis gemeinsame Wurzeln haben. Ihre Gestik ist weich, doch ihre Worte schneiden. Sie ist gegen die Reform. Nicht aus Prinzip. Sondern weil man einem System, das seit Jahrzehnten wankt, nicht zutraut, plötzlich laufen zu lernen.
Und so beginnt das Lehrstück.
Lara
(Mit der Schärfe eines Messers, das beiläufig über den Tisch gezogen wird.)
„Mia, das Rentensystem ist ein Haus, das einsturzgefährdet ist. Es steht da, weil niemand es wagt, die tragenden Balken zu ersetzen. Die Mackenroth-These ist der Architekt dieses Hauses. Sie sagt: Was konsumiert wird, muss von den Lebenden geschaffen werden. Kein Zauberkasten, in dem man Werte über Generationen lagern könnte. Kein Schatz im Garten. Nur Arbeit, Produktivität, Gegenwart. Doch wir tun so, als könne man aus Luft ein Vermögen bauen.“
Sie atmet, ruhig, kontrolliert.
Wie jemand, der weiß, dass Wahrheit nicht laut sein muss, um zu wirken.
Mia
(Die Stimme warm, doch mit einer Ironie, die dem Publikum gilt.)
„Und doch, Lara, funktioniert dieses wacklige Haus seit Jahrzehnten. Du willst es einreißen und neu bauen. Ich will es renovieren. Nicht alles, was alt ist, muss zerstört werden.“
Sie streicht eine Strähne weg, ein stilles Augenzwinkern an die Zuschauer:
Seht her, auch Zweifel können schön sein.
„Du redest von Kapitalmärkten, globalen Strömen, von Demografien wie Wetterkarten. Doch Rendite ist kein Naturgesetz. Und Indien ist nicht unser Sparkonto.“
Der Chor
(Eine Stimme aus dem Off, wie in Brechts Lehrstücken, belehrend.)
„Die Menschen glauben, die Rente sei ein Erbe.
Sie ist jedoch ein Vertrag unter Lebenden.
Wer heute lebt, trägt die Alten.
Wer morgen lebt, trägt die Jungen.
Und wer nichts trägt, lässt andere tragen.“
Lara
(Neigt sich nach vorne, wie eine Figur, die den Schlussakkord setzt.)
„Es geht nicht um Glamour, Mia. Es geht um Rohre, Straßen, Glasfaserkabel, Schulen. Ohne produktives Sparen bleibt die Zukunft ein Versprechen, das niemand halten kann. Der Staat hätte investieren müssen. Er tat es nicht. Und nun wird die Zukunft kleiner, weil die Vergangenheit zu bequem war.“
Mia
(Zieht ein Bein an, verändert die Pose wie eine Schauspielerin, die mit dem Körper widerspricht.)
„Du willst Zwangssparen. Zwang! Nenn es, wie du willst – der Effekt bleibt: Eine Generation müsste zugeben, dass sie ärmer ist, als sie glaubt. Und Politiker, das weißt du so gut wie ich, trinken lieber ein Glas warmen Applaus als einen Schluck kalte Wahrheit.“
Zwischenruf des Erzählers
(Als wolle er das Publikum anstupsen.)
„Man sieht zwei Frauen.
Doch man hört zwei Systeme.
Man sieht Körper.
Doch man erkennt Ideologie.
Und hinter allem:
Ein Land, das sich vor seiner eigenen Zukunft fürchtet.“
Die Spannung steigt
Lara: „Ohne globale Kapitalmärkte bleiben wir in einem Quadranten gefangen: inländisches Arbeitseinkommen. Als würdest du von einem Stuhl verlangen, zwei Beine zu ersetzen, ohne ihn umzudrehen.“
Mia: „Und mit deiner Reform würdest du einen wackligen Stuhl auf einen glatten Boden stellen. Kapitalmärkte können genauso umkippen.“
Die beiden sehen sich an:
Nicht feindlich.
Nicht freundlich.
Ein Blick, wie Brecht ihn beschrieben hätte:
Ein Moment der Erkenntnis, der im Raum hängt wie Bühnenrauch.

Vorhang zwei.
Das Licht ist nun härter geworden, kantiger, wie ein moralischer Zeigefinger. Die beiden Frauen sitzen nicht mehr entspannt. Ihre Körper erzählen nun etwas anderes: Die Pose ist angespannt, die Haltung bewusst überhöht – ganz im Sinne des epischen Theaters, das den Zuschauer nicht verführen soll, sondern auf Distanz hält, damit er urteilen kann.
Und doch geschieht etwas Merkwürdiges:
Je stärker das Licht sie in Figuren verwandelt, desto sichtbarer werden ihre menschlichen Risse. Die Schönheit bleibt, aber sie wird zum Spiegel, nicht zum Schleier.
Der Chor spricht: Die vier Quadranten
Eine Stimme aus dem Off – neutral, kalt, belehrend – durchschneidet den Raum:
„Es gibt vier Quellen der Rente:
Arbeit und Kapital.
Inland und Ausland.
Doch das System nutzt nur eine:
Die Arbeit im eigenen Land.“
Lara senkt kurz den Blick, als würde sie diesen Satz wie ein Theatertext in sich aufnehmen. Mia hingegen dreht leicht den Kopf, stellt das Bein um, als wolle sie sagen: Ich bin nicht überzeugt.
Lara erhebt sich (ein Lehrgestus)
Sie steht nicht auf, um sich zu zeigen – obwohl sie das könnte. Sie steht auf, weil das Argument schwer genug ist, um getragen werden zu müssen.
„Mia,“ sagt sie, „das Umlagesystem ist wie ein Brunnen, der nur aus einer Richtung gespeist wird. Die Mackenroth-These sagt: Alles, was verbraucht wird, wird von den Lebenden geschaffen. Doch sie sagt nicht, dass wir nur von einer Hand geschaffen werden müssen.“
Sie macht eine weite Geste, fast übertrieben – Brecht hätte sie gelobt.
„Produktivität entsteht, wenn wir investieren. In Straßen, in Glasfaser, in Schulen, in Wissen. Wenn wir Kapitalstock aufbauen. Doch was haben wir getan? Wir haben konsumiert. Und nun zerfällt die Infrastruktur wie ein Bühnenbild, das zu lange benutzt wurde.“
Mia bleibt sitzen – und gewinnt dadurch Gewicht
„Deine Reform,“ antwortet sie, „ist ein schönes Stück Theorie. Aber Menschen leben nicht in Modellen. Sie leben in Angst. Und Politik lebt vom Applaus.“
Sie richtet sich auf, ihr Blick wird scharf.
„Zwangssparen. Dieses Wort allein ist ein politischer Selbstmord. Du verlangst, dass eine Generation zugibt, dass sie ärmer ist als angenommen. Dass ihre Zukunft kleiner ist als ihr Gegenwartsgeldbeutel. Und du verlangst, dass Politiker das aussprechen?“
Ihre ironische Pause ist ein Kunstgriff, so präzise wie ein Brecht-Monolog.
„Sie würden eher die Rente erhöhen, während das Haus schon brennt.“
Der Erzähler schaltet sich ein
„Man sieht zwei junge Frauen.
Doch man hört zwei alte Systeme.
Man sieht Kurven.
Doch man erkennt Kurven der Demografie.
Man sieht Pose und Blick.
Doch man erkennt:
Hier verhandelt Jugend mit Zukunft.“
Der Schlagabtausch wird philosophisch
Lara: „Wer nicht investiert, beraubt die Zukunft der Mittel.“
Mia: „Wer den Menschen nimmt, was sie heute haben, beraubt die Gegenwart.“
Lara: „Die Zukunft trägt die Last der Gegenwart.“
Mia: „Und die Gegenwart weigert sich, auf die Zukunft zu hören.“
Eine Stille folgt, schwer wie das Publikum, das nicht weiß, ob es klatschen oder schweigen soll.
Ein Funken Nähe – nicht körperlich, sondern dialektisch
Mia lehnt sich nun leicht nach vorne.
„Erkläre mir eins, Lara. Du sprichst von internationalen Kapitalmärkten. Doch selbst wenn wir Indien anzapfen, deren Jugend nutzen, deren Kapitalmärkte melken – irgendwann werden auch sie altern. Auch dort wird die Demografie kippen.“
Lara setzt sich wieder, sanft, als wolle sie die Bühne beruhigen.
„Richtig. Aber das bedeutet nicht, dass wir es nicht tun sollten. Dass eine Quelle endlich ist, heißt nicht, dass man nicht aus ihr trinken darf.“
Da fällt ein Satz, der wie aus einem Brecht-Stück wirkt:
„Nicht der Wert ist begrenzt, Mia – sondern die Zeit, die wir haben, ihn zu nutzen.“
Der Vorhang bleibt offen
Denn das Lehrstück ist nicht zu Ende.
Die Körper der Frauen bleiben angespannt, ihre Worte klingen wie Werkzeuge, die eine defekte Maschine auseinanderschrauben. Ein Streit, der nicht trennt, sondern erhellt.
Der Erzähler spricht:
„Auch Schönheit ist ein Argument.
Nicht für die Rente.
Aber dafür, hinzusehen.“

Vorhang drei.
Das Licht verändert sich erneut – nicht weicher, nicht härter, sondern analytischer. Es ist das Licht, das Brecht liebte: ein Licht, das nicht die Figuren verschönert, sondern die Struktur des Geschehens bloßlegt. Man sieht die Schatten auf der Bühne wie Pfeile, die auf Ursachen und Wirkungen weisen.
Die beiden Frauen sitzen nun nicht mehr in der Konfrontation der ersten Akte, sondern in einer Art dialektischer Spirale. Es ist nicht mehr Streit, es ist Analyse – und doch bleibt die sinnliche Spannung zwischen ihnen wie ein dünner roter Faden, der durch das Stück läuft.
Der Erzähler: Der Fehler der Fehlanreize
„Das System“, sagt die Stimme aus dem Off, „enthält jenen logischen Fehler, den man Trittbrettfahrertum nennt.“
Die Worte schweben wie Rauch im Raum.
„Wer keine Kinder hat, erhält dieselbe Rente wie derjenige, der zukünftige Beitragszahler großgezogen hat.
Wer konsumiert, lebt bequemer als der, der investiert.
Wer spart, wird besteuert.
Wer nicht spart, wird belohnt.“
Eine kurze Pause.
Die Art Pause, die ein Publikum unruhig macht.
Mia lächelt – triumphierend und traurig zugleich
„Da haben wir es“, sagt sie. „Ein System, das seine eigenen Produzenten bestraft. Warum sollte man in einem solchen System freiwillig Kinder bekommen? Wozu investieren, wenn der Konsum belohnt wird und die Vorsorge bestraft? Ich kann den Menschen keinen Vorwurf machen.“
Sie wirft einen Blick zur Seite, ein seitliches, fast melancholisches Lächeln.
„Wir sprechen hier ständig vom ‚Generationenvertrag‘, doch er ist eher ein Vertrag mit einer Klausel, die niemand liest, weil niemand sie verstehen will.“
Lara hebt die Hand – als wolle sie das Argument einfangen
„Aber genau deshalb brauchen wir Reformen, Mia. Wir müssen die Fehlanreize beseitigen. Wir müssen ein System schaffen, das produktives Verhalten belohnt.“
Sie lehnt sich vor, die Pose streng wie ein Lehrgestus.
„Private Vorsorge wird besteuert, bis sie sich nicht mehr lohnt. Sogar der Inflationsanteil – ein Scheingewinn – wird besteuert. Das ist nicht nur ineffizient. Das ist irrational.“
Mia nickt, langsam, als wolle sie zugeben, dass dieser Punkt sitzt.
Der Chor spricht: Die verpasste Chance des Kapitalstocks
„Man hätte sparen können“, ruft der Chor.
„Man hätte investieren können.“
„Doch man tat es nicht.“
Ein rhythmischer Dreischlag, wie Brecht ihn liebte, scharf und einschneidend.
„Straßen zerfallen, Brücken rosten, Glasfaserkabel fehlen, Schulen bröckeln.
Die Maschinen der Zukunft wurden nie gebaut.
Und die Kinder der Zukunft wurden nicht geboren.“
Ein Moment der Nähe – intellektuell und sinnlich
Die beiden Frauen rücken nicht körperlich näher zusammen, doch ihre Argumente tun es.
Mia: „Du glaubst an produktives Sparen. Ich glaube an politischen Realismus.“
Lara: „Realismus ist nicht Zynismus. Realismus ist die Anerkennung der Mechanik: Wer nicht investiert, dessen Zukunft schrumpft.“
Mia: „Und wer zu hart spart, dessen Gegenwart bricht.“
Lara lächelt.
„Zwischen diesen beiden Polen liegt die Lösung.“
Das Publikum ahnt:
Es geht nicht um die Frage ob, sondern wie viel.
Der Erzähler erklärt den dritten Fehler: das fehlende produktive Sparen
„Ein Rentensystem“, sagt er, „ist produktiv, wenn es nicht nur überträgt, sondern aufbaut. Wenn Kapitalströme nicht nur von Jung zu Alt fließen, sondern auch von Gegenwart zu Zukunft.“
Er zählt an den Fingern ab – eine simple, bewusst künstliche Geste.
„Infrastruktur.
Bildung.
Bürokratieabbau.
Maschinen.
Humanvermögen.“
„Nichts davon geschieht automatisch. Der Staat hätte gezwungen werden müssen zu sparen, so wie eine Familie gezwungen wird, ein Darlehen zurückzuzahlen. Doch es gab keinen Zwang. Also wurde konsumiert.“
Mia kontert – nicht laut, sondern leise und scharf
„Und selbst wenn wir sparsam und klug investiert hätten – wir hätten immer noch das Problem der Politik. Politiker agieren in Wahlzyklen, nicht in Generationen. Sie denken in Umfragen, nicht in Rentenhorizonten.“
Ihre Stimme senkt sich, fast wie eine Warnung.
„Ein System mit kurzfristigen Anreizen kann keine langfristigen Lösungen hervorbringen.“
Lara antwortet – nun weniger kämpferisch, mehr nachdenklich
„Vielleicht. Aber der Fehler liegt nicht im Prinzip der Reformen. Der Fehler liegt in der politischen Architektur, die verhindert, dass sie umgesetzt werden.“
Sie blickt in den Raum, als wolle sie das Publikum direkt ansprechen.
„Wenn wir den Menschen nicht zutrauen, Reformen zu akzeptieren, haben wir das Publikum bereits verloren.“
Das Licht dimmt sich leicht
Die Szene endet nicht mit einem Schlagwort, nicht mit einem Sieg.
Sie endet mit einer Frage, die im Raum hängt wie der Rauch einer Theaterfackel:
„Wer soll die Zukunft bauen, wenn die Gegenwart sich weigert, das Fundament zu legen?“

Vorhang vier.
Das Licht wird jetzt frontal. Es ist das Licht der letzten Erkenntnis, das Brecht favorisierte – ein Licht, das nichts romantisiert, sondern offenlegt, wie die Dinge sind. Die Bühne wirkt weniger wie ein Raum und mehr wie ein Diagramm, auf dem zwei Figuren stehen, die das ökonomische Drama der Nation verkörpern.
Lara und Mia sitzen sich nun wieder gegenüber, doch die Spannung hat sich verändert. Sie ist konzentrierter, tiefer, weniger auf Konfrontation ausgerichtet als auf Synthese. Die Schönheit der beiden Frauen ist noch immer präsent, aber sie tritt zurück hinter die Idee, die sie darstellen sollen: die dialektische Bewegung eines Systems, das sich selbst nicht versteht.
Der Erzähler: Der vierte Fehler – die politische Unmöglichkeit
„Das System,“ beginnt die Stimme aus dem Off, „scheitert nicht an Mathematik, sondern an Mut.“
Eine kurze, schneidende Satzfolge.
„Die Politiker wollen nicht.
Die Wähler wollen nicht.
Und die Zukunft schweigt.“
Lara hebt den Kopf.
Mia schließt die Augen.
Die Bühne ist still.
Lara spricht – nicht kämpferisch, sondern erschöpft weise
„Wir hätten produktiver sparen müssen. Wir hätten globale Kapitalmärkte nutzen müssen. Wir hätten Kapitalstock aufbauen müssen. Wir hätten die Infrastruktur modernisieren müssen. Wir hätten die Steuerlogik ändern müssen. Wir hätten die Demografie gestalten müssen.“
Es ist eine Litanei, gesprochen wie ein Brecht’scher Katalog.
Das Publikum soll mitzählen.
Es soll merken, dass dies keine Theorie ist, sondern eine Liste versäumter Taten.
Mia antwortet – nüchtern, realistisch, fast poetisch
„Ja. Aber das hätten wir in den 80ern tun müssen. Oder in den 90ern. Oder spätestens in den 2000ern. Heute sind wir wie Schauspieler, die auf einer Bühne stehen, deren Kulissen bereits bröckeln.“
Sie legt eine Hand auf das Sofa, als wolle sie demonstrieren, dass selbst das Möbel eine Metapher ist.
„Wir diskutieren über Reformen, während das Publikum längst gegangen ist.“
Der Chor: Die Zukunft spricht
„Die Rente ist nicht kaputt,“ ruft der Chor,
„sie ist nur älter geworden als diejenigen, die sie einst entwarfen.“
Es klingt nicht wie Trost.
Eher wie der Klang einer Uhr.
Der Versuch einer Synthese
Lara wendet sich Mia zu.
„Wir brauchen ein neues System:
Eins, das global investiert.
Eins, das Produktivität aufbaut.
Eins, das Fehlanreize beseitigt.
Eins, das private Vorsorge belohnt.
Eins, das die Politik zwingt, langfristig zu denken.“
Mia nickt langsam.
„Und gleichzeitig brauchen wir ein System, das die Gegenwart nicht erdrückt.
Eins, das verständlich ist.
Eins, das sozial bleibt.
Eins, das Freiheit und Verantwortung verbindet.“
Der Erzähler tritt vor – meta, wie Brecht es liebte
Jeder Zuschauer soll wissen:
Dies ist ein Lehrstück.
Es zeigt nicht, was ist, sondern was sein könnte.
Es zeigt nicht Frauen, sondern Figuren.
Nicht Körper, sondern Konzepte.
Nicht Streit, sondern Struktur.
Und doch…
die Bühne, die Stimmen, die Posen – sie verweben sich zu etwas Seltsamem, etwas Menschlichem.
Die letzte dialektische Bewegung
Mia: „Die Rente trägt die Vergangenheit.“
Lara: „Und die Zukunft trägt die Rente.“
Mia: „Doch wer trägt die Zukunft?“
Lara: „Der, der sie baut.“
Eine Pause.
Mia: „Und wer baut sie?“
Lara: „Die, die bereit sind, ihre Gegenwart zu verändern.“
Der Schluss – offen, wie es Brecht forderte
Die beiden Frauen stehen auf.
Nicht gleichzeitig, nicht synchron – sondern nacheinander, als wolle jede ihre eigene Wahrheit mitnehmen.
Das Licht wird heller.
Nicht dramatisch, sondern sachlich.
Wie ein morgendlicher Büroflur.
Der Erzähler spricht die letzten Worte:
„Es ist nicht wichtig, wer Recht hat.
Wichtig ist, wer handelt.“
Die Bühne wird schwarz.
Das Lehrstück endet.
Die Frage bleibt.
Bild: Ki Illustration
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