Europa im Déjà-vu: Deutschlands historische Albträume und heutige geopolitische Abenteuer

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Welches wiederkehrende Muster von Konflikten und Machtinteressen in Europa zeigt sich?


In Europa stolpern wir immer wieder über ein bekanntes Schauspiel: Konflikte und Machtinteressen, die so regelmäßig auftreten, dass man fast eine Art „historisches Déjà-vu“ spürt – oder wie manche es nennen, den „ewigen Albtraum Deutschlands“ beziehungsweise eine Serie von „Dreißigjährigen Kriegen“. Dieses Muster hat einige markante Merkmale und Ereignisse, die man durchaus mit einem Augenzwinkern betrachten kann:

Wiederholte Verheerung der Mitte Europas / Deutschlands: Ob der ursprüngliche Dreißigjährige Krieg (1618–1648) oder die turbulente Zeit von 1914 bis 1945 – Deutschlands Landschaften waren öfter im Abenteuermodus „Level: Zerstörung“. Es gibt die leichte Sorge, dass Deutschland sich nun schrittweise auf einen „dritten 30-jährigen Krieg“ vorbereitet, der erneut das Herz Europas ins Chaos stürzen könnte. Bertolt Brecht meinte einmal, dass Deutschland nach einem dritten Krieg „nicht mehr auffindbar“ sein könnte – also Kultur und Wirtschaft quasi im Windkanal des Schicksals verschwunden.

Dominanz politischer Machtinteressen und territorialer Ambitionen: Kriege fangen oft mit religiösen oder ideologischen Argumenten an – aber meist sind diese nur hübsche Vorwände. Die wahren Drahtzieher sind politische Machtinteressen und territoriale Wünsche. Im 30-jährigen Krieg sah man Frankreichs Begeisterung für Landnahme und das Bestreben, das Heilige Römische Reich in eine Art LEGO-Set zu verwandeln. Historiker Arno Mayer beschreibt diese Epochen, sowohl den 30-jährigen Krieg als auch das 20. Jahrhundert, als Zeiten endloser Ambitionen, die von „dynamischen Instabilitäten“ und „unbegrenzten Zielen“ befeuert wurden.

Ständiger Kampf um Hegemonie: Ein wiederkehrendes Motto: Wer hat hier das Sagen? Im 30-jährigen Krieg stritten Habsburger, Franzosen und die protestantische Union um die Vorherrschaft im Reich. Heute sieht man das große Finale als Kampf zwischen einer unipolaren und einer multipolaren Weltordnung, wobei die USA scheinbar dauerhafte Hauptrolle beanspruchen – Drama garantiert.

Untergrabung des deutschen Wohlstands und Handels: Früher verschwanden berühmte Handelshäuser wie Fugger und Welser, Häfen gingen an Holländer, Dänen oder Schweden – der Hansehandel verabschiedete sich mit einem „Tschüss, wir sehen uns nie wieder“. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland erneut Handelsrechte abgeben. Ein klassisches Muster: Andere Mächte spielen Deutschland beim Wirtschaftsjenga aus.

Instrumentalisierung und Schüren nationaler Leidenschaften von außen: Vor dem Ersten Weltkrieg wurden nationalistische Leidenschaften in Serbien und Tschechien geschickt angeheizt, um die österreichisch-ungarische Monarchie aufzulockern – britisches „Teile und Herrsche“-Handwerk deluxe. Am besten sind Kriege, wenn andere die Soldaten stellen, nicht wahr?

Wiederholung von „totalem Krieg“ und seiner Folgen: Mayer merkt an, dass der 30-jährige Krieg schon „total“ war, und dass diese destruktive Tradition zwischen 1914 und 1945 einfach fortgesetzt wurde. Paul Chamberlin sieht den Zweiten Weltkrieg nicht als Gut-gegen-Böse-Spektakel, sondern als brutalen Powerkampf aller imperialen Mächte, deren koloniale Ideologien und Umgang mit Zivilisten sich erschreckend ähnelten – ein bisschen wie ein historisches Déjà-vu-Remake.

Missachtung von Friedensbemühungen und Diplomatie: Der Westfälische Friede nach dem 30-jährigen Krieg zeigt, wie ein geduldiger, fairer Frieden aussehen kann. Im Vergleich dazu scheinen heutige Strategien auf Konfrontation zu setzen, während diplomatische Angebote, wie Putins Vorschlag für ein sicherheitspolitisches Abkommen, oft auf der „To-do-later“-Liste landen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein konsistentes Muster der Destabilisierung Mitteleuropas (speziell Deutschlands) erkennbar ist: Politik, Territorium und Hegemonie spielen zusammen wie ein chaotisches Orchester. Oberflächliche Vorwände decken wirtschaftliche Schwächung und die Durchsetzung globaler Machtambitionen.

Wie beeinflussen historische Kriege die deutsche Seele und aktuelle geopolitische Wahrnehmungen?


Historische Kriege, vor allem der Dreißigjährige, haben tiefe Spuren hinterlassen – wie ein ungebetener Gast, der nie geht – und prägen noch heute Ängste und Wahrnehmungen Deutschlands.

Einfluss des Dreißigjährigen Krieges auf die deutsche Seele:

Tiefe Verwundung und Gedächtnis: Das Leid und die Zerstörung sind wie ein Tattoo in der deutschen Geschichte – unauslöschlich, manchmal schmerzhaft, aber irgendwie beeindruckend.

Historische Schockmomente: Der Prager Fenstersturz 1618 war ein kleiner Vorfall mit riesiger Wirkung. Sozusagen der Domino-Effekt des 17. Jahrhunderts.

Verheerung und Bevölkerungsverluste: In manchen Gebieten starben bis zu 60 % der Menschen – und die Schweden hatten ein kreatives „Untertauchen in Jauchegruben“-Programm, das in Erinnerung bleibt (nicht gerade Spa-Day-tauglich).

Verlust von Macht und Wohlstand: Handelsstrukturen wie die Fugger und Welser verschwanden, deutsche Häfen gingen an andere Mächte. Deutschland wurde Opfer einer Gewaltspirale – und nicht gerade ein Paradebeispiel militärischen Triumphs.

Aktuelle geopolitische Wahrnehmungen und die Angst vor einem „dritten Dreißigjährigen Krieg“:

Wiederkehrende Parallelen: De Gaulle und Churchill sprachen während des Zweiten Weltkriegs schon von einem „neuen Dreißigjährigen Krieg“ – wie ein unerwünschtes Sequel.

Drohender dritter Krieg: Manche sehen Deutschland auf dem Weg zu einem dritten großen Desaster – mit Firmenabwanderung, sinkendem Wohlstand und einer „deutschen Urangst“.

Analogie Karthago: Karthago verschwand nach drei Punischen Kriegen – nicht unbedingt physisch, eher kulturell und wirtschaftlich. Deutschland soll bitte besser aufpassen.

Aktuelle Konflikte als Kampf um Weltordnung: Die Verschiebung weg von enger wirtschaftlicher Kooperation mit Russland wird als Fehler interpretiert, der unnötig Feindschaften erzeugt.

Militärische Aufrüstung und Kriegsplanung: Deutschland wird „kriegstüchtig“ gemacht, mit gigantischen Summen in den Kriegsvorbereitungen. Grünbuch 4.0 und „Operationsplan Deutschland“ liefern konkrete Szenarien, die durchaus nervös machen.

Gefahr durch Hyperschallwaffen: US-amerikanische „Dark Eagle“-Raketen bis 2026 – ein bisschen wie ein Feuerwerk, nur dass es nuklear ist.

Kritik an Medien und Politik: Medien verschweigen Zusammenhänge, Politiker ignorieren Pipeline-Sprengungen – eine Art „Augen zu und weiter stapfen“-Politik.

Verlorenes Vertrauen und Warnungen aus der Vergangenheit:
◦ Nietzsche sah Bismarcks Einigung als Triumph des Staates über Kultur, warnte vor erstickendem Nationalismus.
◦ Thomas Mann mahnte 1952/53, Europa nicht zur ökonomischen Kolonie und militärischen Basis für einen Atomkreuzzug zu machen.

Bedeutung des Westfälischen Friedens: Das Ende des Dreißigjährigen Krieges zeigt, wie fairer Frieden funktioniert – im Gegensatz zu heutigen „unbegrenzten Zielen“.

Die aktuelle Wahrnehmung ist also von einer „destruktiven Gewaltspirale“ geprägt. Ein Ausstieg wäre wünschenswert – idealerweise durch gegenseitiges Verstehen, etwas Humor und eine Portion Selbsterklärung.


Chronologie

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1618 (23. Mai): Der Prager Fenstersturz ereignet sich, der als unmittelbarer, aber als „banaler“ Auslöser des Dreißigjährigen Krieges beschrieben wird

1618-1648: Der Dreißigjährige Krieg findet statt, der zu immensen Zerstörungen, Verwüstungen und hohen Bevölkerungsverlusten in den deutschen Ländern führt und sich „in die deutsche Seele eingegraben“ hat. In dieser Zeit füllt Kardinal Richelieu von Frankreich die Kriegskasse des Schwedenkönigs Karl Gustav auf und gibt ihm eine Karte der gewünschten Ländereien

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (Westfälischer Friede): Frankreich erhält „Sitz und Stimme“ im Heiligen Römischen Reich. Die großen Handelshäuser wie Fugger und Welser verschwinden, und ehemals deutschsprachige Häfen gehen in holländische, dänische oder schwedische Hand über, was das Ende des Hansehandels bedeutet

1806: Napoleon löst das Heilige Römische Reich komplett auf, um die föderativen Strukturen zugunsten zentralistischer Interessen zu zerstören

1813: In den Befreiungskriegen gegen Napoleon strömten erstmals die Söhne jüdischer Mitbürger zu den Fahnen

1904: Der Herero-Aufstand wird niedergeschlagen. In diesem Jahr beginnen auch die britischen Kriegsvorbereitungen gegen Deutschland mit der Gründung des „Comite of Impol Defense“

1913: Kaiser Wilhelm II. feiert sein 25-jähriges Thronjubiläum und wird weltweit als Friedenskaiser gefeiert, da Deutschland im Vergleich zu anderen Großmächten keine Kriege geführt hatte

Juli 1914: Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo wird als angeblich auslösender Moment für den Ersten Weltkrieg genannt

1914: Der Erste Weltkrieg bricht aus. Britische Interessen schürten nationale Leidenschaften in Serbien und tschechischen Nationalismus, um die österreichisch-ungarische Monarchie zu zerlegen und einen von Briten geführten südslawischen Vielvölkerstaat zu schaffen. Amerikanische jüdische Zeitungen kritisieren Englands Unterstützung des „barbarischen russischen Autokratenregimes“

1914 (4. September): Margrete Marasse schreibt auf der Titelseite der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ den Artikel „Der Heilige Krieg“ über die Stimmung der jüdischen Bürger im Kaiserreich

1914 (7. August): Die „Jüdische Rundschau“ veröffentlicht den Aufruf „Deutsche Juden!“, der die jüdische Jugend aufruft, freudigen Herzens und freiwillig zu den Fahnen zu eilen

1914-1945: Diese Periode wird von Charles de Gaulle (1941) und Winston Churchill (1944) als „zweiter Dreißigjähriger Krieg“ bezeichnet, dessen Zielfolge die „nachhaltige Zurückwerfung der zentralen Lage Deutschlands in der Mitte Europas“ war

1919: Der amerikanische Milliardär Cran erhält den Botschafterposten in der Tschechoslowakei als Dank für seine Unterstützung des tschechischen Nationalismus

1919: Nach dem Friedensdiktat von Versailles muss Deutschland seine Handelsflotte abgeben, wodurch es vom Welthandel ausgeschlossen wird

1941 (September): Der französische General Charles de Gaulle spricht in einer Radioansprache in London von einem „neuen 30-jährigen Krieg“

1944: Der britische Premier Winston Churchill schreibt an Stalin von einem „30-jährigen Krieg von 1914 an“

Mai 1945: Es wird auf die zerstörten deutschen Städte verwiesen, als Analogie zu möglichen zukünftigen Großschadenslagen im Falle eines Krieges

1951: Bertolt Brecht schrieb über das Schicksal Karthagos, das nach drei Punischen Kriegen „nicht mehr auffindbar“ war, und befürchtete Ähnliches für Deutschland, was den Verlust von Kultur und Wirtschaft bedeuten würde

1952/1953: Thomas Mann publizierte nach seiner Rückkehr aus dem amerikanischen Exil einen Aufruf an die Europäer, in dem er die Gefahr sah, Europa als ökonomische Kolonie und militärische Basis in einem zukünftigen Atomkreuzzug gegen Russland zu behandeln

Seit 1999: Kriege auf dem Balkan, in Nordafrika und Osteuropa wurden völkerrechtswidrig ohne UN-Mandat geführt

2014 (2. Mai): Ein Bürgerkrieg in der Ukraine begann, bei dem über 14.000 Menschen im Osten getötet wurden, aber hierzulande kaum thematisiert wurde

Herbst 2014 (September): Das US-Strategiepapier „Win in a Complex World 2020 bis 2040“ wird vom Tranning and Doctrine Command veröffentlicht, das zukünftige Konflikte und die Notwendigkeit einer dauerhaften US-Vormachtstellung in allen Bereichen festlegt

Frühjahr 2014: Das Vorwort zum Buch „Wiederkehr der Hasardeure“ wird geschrieben, das die Instrumentalisierung nationaler Konflikte für Interessen und die Gefahr eines Weltkriegs thematisiert

2020 (21. Dezember): Das Kommando der Streitkräftebasis veröffentlicht „Strategische Drehscheibe im Zentrum Europas“, ein Dokument des Generals Martin Scheller, das militärische Szenarien und die Rolle Deutschlands als Drehscheibe für Truppenbewegungen beschreibt

Mitte Dezember 2021: Putin schickt ein Schreiben an die USA und die NATO mit der Bitte um ein sicherheitspolitisches Abkommen, das jedoch nicht öffentlich diskutiert oder angenommen wird

2022 (23. Februar): Ende des Berichtszeitraums des Bürgerkriegs in der Ukraine vor dem russischen Angriff

2022: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine beginnt

Oktober 2022: Joe Biden formuliert in der nationalen Verteidigungsstrategie, dass die USA einen dauerhaften Vorteil in allen Bereichen weltweit benötigen, was als Hinderungsgrund für Frieden angesehen wird

Aktuelle Zeit: Es wird von Bestrebungen gesprochen, Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen und horrende Summen in Kriegsvorbereitungen zu stecken. Der „Operationsplan Deutschland“ und das „Grünbuch Zivil-Militärische Zusammenarbeit 4.0“ (Zmzwol) werden erwähnt, die konkrete Kriegsszenarien und Deutschlands Rolle darin beschreiben. Die Sprengung der Pipelines wird als „Kriegserklärung“ und „Terroranschlag“ bezeichnet, die nicht untersucht wird

Ab 2025/2026: Geplante Installation von US-Hyperschallwaffen des Typs „Dark Eagle“ auf deutschem Boden, was die Gefahr einer weitreichenden Vernichtung („flächendeckend anzugreifen mit Atomwaffen und quasi das Land umzuflügen“) potentiere

2029: Laut einem Szenario im Grünbuch Zmz 4.0 wird der Ukrainekrieg eingefroren und russische Offensivtruppen werden zurückverlegt

März 2030: Laut demselben Szenario kommt es zu einer massiven Verlegung russischer Heeres- und Luftverbände nach Kaliningrad und Belarus

April 2030: Laut dem Szenario vereinbaren das Baltikum, Polen, Schweden und Finnland eine gemeinsame Anhebung ihrer nationalen Alarmstufen

Ende Mai 2030: Laut dem Szenario beginnt der Aufmarsch der NATO mit etwa 60.000 Soldaten

2020-2040: Dies ist der im US-Strategiepapier „Win in a Complex World“ definierte Zeitraum für zukünftige Konflikte zur Durchsetzung einer unipolaren Weltordnung.

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Bild: Ki Illustration

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